Diese Bürokratie ist sinnlos.

Zum wiederholten Male bin ich in beruflichem Kontext mit dem Ausfüllen von Formularen beschäftigt, die in meinen Augen keinen Sinn machen, sondern nur Arbeit produzieren. Mehrere Stunden benötige ich, um mich in das Prozedere des Ausfüllens, sowie die Funktionsweise der damit verbundenen Online-Plattform einzudenken. Stunden, die mir für andere Tätigkeiten fehlen. Während ich damit beschäftigt bin, ärgere ich mich über die Sinnlosigkeit der Aktion, ich empfinde es als Zeitverschwendung und wettere innerlich über die fortschreitende Bürokratisierung. Ich prüfe den Gedanken mit The Work.

Diese Bürokratie ist sinnlos.

  1. Ist das wahr? Ja.

  2. Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? In mir taucht die Vorstellung von den Menschen auf, die sich das alles ausgedacht haben, die meinten, dass es einen Sinn erfüllt. Das reicht mir für die Antwort: Nein.

  3. Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich den Gedanken glaube? Ich bin wütend, frustriert. Hämmere in die Tasten, bin genervt, spüre Anspannung im Bauch. Ich bezweifle die Sinnhaftigkeit, empfinde die Vorgaben als Schikane. Bin im Widerstand und will mit der ganzen Bürokratie nichts mehr zu tun haben. Ich rechne innerlich die Zeit zusammen, die ich schon damit zugebracht habe, mich mit dem Ausfüllen der Formulare zu beschäftigen. Zeit, die ich von niemanden zurück bekomme und die ich meiner Meinung nach für produktivere Tätigkeiten hätte nutzen können. Ich zweifle am System, fühle mich als Sklave und Opfer, hilflos. Ich versuche es so gut wie es geht zu machen, bin aber ob der Sinnlosigkeit der ganzen Sache fortwährend unsicher, ob ich es richtig mache und mich die Konsequenz dessen irgendwann einholt.

  4. Wer bin ich ohne den Gedanken? Ich lande im Moment. Höre das Klicken der Computertasten, freue mich sogar darüber, dass es sich so schön unter meinen Händen anfühlt. Ich bin stolz auf mich, dass ich für das Ausfüllen der Formulare schon gute Vorarbeit geleistet habe und das die Anleitung einigermaßen verständlich ist. Ich bemerke, dass ich nicht alleine mit meinem “Problem” bin, sondern dass auch Kolleg:innen davon betroffen sind. Ich halte mich an die Anweisungen, arbeite die Formulare dadurch Stück für Stück ab. Ohne Widerstand. Es fühlt sich o.k. an.

Kehre den Gedanken um.

Diese Bürokratie ist sinnvoll.

  • Möglicherweise gibt es Abteilungen oder Menschen, für die diese Bürokratie sinnvoll ist. Irgendjemand hat sie sich ausgedacht, wahrscheinlich jemand, der Spaß an Statistik hat. Es könnte sein, dass jemand mit den Zahlen, die sich daraus ableiten lassen, eine Maßnahme belegen möchte. Ich sehe in meiner Vorstellung jemand vor einer Auswertung sitzen und sich an Zahlen und Tabellen freuen. Mein Sohn ist Statistiker, ich weiß wieviel Spaß er daran hat.

  • Diese Bürokratie ist sinnvoll in sich selbst. Die Formulare sind miteinander verlinkt und aufeinander abgestimmt.

  • Sie ist sinnvoll weil ich damit belege, welche beruflichen Prozesse mich wieviel Zeit gekostet haben. Wenn ich die Bürokratie nicht erledigen würde, hätte ich darüber hinausreichende berufliche Nachteile.

Mein Denken (über diese Bürokratie) ist sinnlos.

  • Ja das stimmt. Mein Denken, ärgern und inneren Widerstand leisten wird an dieser Bürokratie nichts ändern.

  • Im Augenblick des Bearbeitens und Ausfüllens ist mein Denken ebenso sinnlos. Es hindert mich daran, den Anleitungen zu folgen, ich lasse mich immer wieder davon verwirren und von meiner Arbeit ablenken. Ich könnte den Anleitungen wie einem Kochrezept folgen, ohne großes Nachdenken. Wahrscheinlich würde es dann sogar schneller gehen.

  • Ich kann es einfach so gut machen wie ich es in diesem Moment hinbekomme. Mein Denken, dass es vielleicht alles doch nicht richtig ausgefüllt ist, dass ich entscheidende Fehler mache, ist sinnlos. Es bringt mich in diesem Moment nicht weiter. Vielleicht wird sich irgendwann zeigen, dass etwas falsch ausgefüllt wurde, vielleicht auch nicht.

Mehr Umkehrungen und Beispiele fallen mir im Augenblick nicht ein. Ich fühle mich etwas entspannter, weniger im Widerstand. Ich bin gnädiger mit mir und stolz auf mich, dass ich trotz der kompliziert erscheinenden Ausfüllanleitungen die Sache doch ganz gut hinbekomme. Ich löse in meiner Freizeit gerne Rätsel und Escape Room Spiele, ein bisschen hat die ganze Sache etwas davon.

Mit The Work lässt sich jeder Gedanke prüfen. Egal ob es sich vermeintlich um Kleinigkeiten handelt oder um große Lebensthemen, Beziehungsprobleme, Stress bis hin zu Burn out. Eine Überprüfung ist immer sehr individuell. Sie kann persönliche Denk- und Verhaltensmuster aufdecken, Klarheit und Licht hineinbringen. Und manchmal reicht auch eine kleine Überprüfung wie diese, um in Frieden mit dem kommen zu können, was das Leben mir präsentiert. Selbst wenn es Formulare sind.

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Achtsamkeit - Der Morgenspaziergang