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Die Kinder und Corona
Die Corona Pandemie dauert lange. Viel länger als gedacht. Manche Kinder, so auch die Schüler*innen in meiner Klasse sind in diesem Zeitraum eingeschult worden, haben ihr schulisches Leben mit Beschränkungen, Lockdown, Distanzlernen und Wechselunterricht begonnen. Obwohl der Unterricht inzwischen wieder regelmäßig stattfindet, gibt es beunruhigende Berichte darüber, was der lange Lockdown und die fehlenden sozialen Kontakte bei Kindern ausgelöst haben.
Die Corona Pandemie dauert lange. Viel länger als gedacht. Manche Kinder, so auch die Schüler*innen in meiner Klasse sind in diesem Zeitraum eingeschult worden, haben ihr schulisches Leben mit Beschränkungen, Lockdown, Distanzlernen und Wechselunterricht begonnen. Obwohl der Unterricht inzwischen wieder regelmäßig stattfindet, gibt es beunruhigende Berichte darüber, was der lange Lockdown und die fehlenden sozialen Kontakte bei Kindern ausgelöst haben. Eltern geben ihr Bestes, um ihren Kindern, ob schon in der Schule oder nicht, ein abwechslungsreiches und ermutigendes Alltagsleben zu ermöglichen, viele sind hilflos und überfordert. Immer wieder taucht die Sorge um die Kinder auf. Mal leise, mal ganz laut. Sorgentelefone melden einen sprunghaften Anstieg an Anrufen. Kinder- und Jugendpsychologen äußern sich zur Zunahme von psychischen Erkrankungen bei ihren Klient*innen.
Sie vereinsamen sozial.
Sie haben nicht genug Anregungen.
Sie lernen nicht richtig.
Sie sind nicht zu motivieren.
Sie schauen zu viel fernsehen.
Sie wissen nichts mehr mit sich anzufangen.
Sie haben zu wenig Kontakt zu den Mitschüler*innen.
Sie verpassen ein ganzes Schuljahr.
Sie sehnen sich nach ihren Großeltern, Freunden, Verwandten.
Sie werden an noch unabsehbaren Spätfolgen leiden.
Der letzte Satz in dieser Liste ist ein häufig auftauchender Gedanke den jede/r von uns schon in unterschiedlichster Schattierung in individuell sehr unterschiedlichen Situationen hatte. Der Ursprung davon ist die Angst bzw. der Gedanke:
Etwas Schreckliches wird passieren.
Hier zeigt er sich im Zusammenhang mit der Situation der Kinder während und durch die Pandemie. Ich werde ihn mit den Fragen von The Work überprüfen. Es geht hierbei nicht darum, die Auswirkungen der Pandemie auf die Kinder zu relativieren oder auf konzeptioneller Ebene zu lösen. Es geht um meinen persönlichen Gedanken und seine Überprüfung. Dieser Aspekt ist sehr wichtig!! Bei The Work geht es in keiner Weise darum Dinge schön zu reden oder abzuschwächen. Es handelt sich um eine Überprüfung, die ehrliche, ergebnisoffene und meditative Betrachtung eines Gedankens und dessen, was er bewirkt.
Sie werden an noch unabsehbaren Spätfolgen leiden.
Ist das wahr?
(Wenn du neu bist in The Work: Die Antwort auf diese Frage ist entweder ein Ja oder ein Nein. Wenn du keine eindeutige Antwort hast, dann warte bis sie auftaucht. Es geht beim Beantworten der Fragen nicht um eine Analyse, nicht um eine Diskussion, in der du dich selbst von etwas überzeugen musst. The Work ist Meditation. Du darfst ehrlich antworten. Ein Ja ist genau soviel Wert wie ein nein.) Meine Antwort hierauf lautet nein. (Ich merke, dass ich es einfach nicht wissen kann)
Falls deine Antwort Ja lautet dann gehe zur Frage 2. Falls sie ebenfalls nein lautet kannst du Frage 2 überspringen und direkt zu Frage 3 gehen.
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? Auch hier wieder eine einfache Antwort: Ja oder Nein.
Wer bist du, wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst? Ich fühle Unsicherheit, Angst, Hilflosigkeit. Sofort gehen meine Gedanken in eine ungewisse Zukunft. Ich sehe die Kinder wie in einem Film vor mir. Hospitalisiert, abgeschnitten vom Leben und von anderen Kindern, abhängig, retardiert in ihren sozialen Fähigkeiten. Sehe fehlende und für unsere Gesellschaft so wichtige emphatische Fähigkeiten, die sich nicht entwickeln konnten. Ich sehe unglückliche Kindergesichter, aus denen unglückliche Erwachsene werden. Sehe unsere Gesellschaft vereinsamen, immer egoistischer werden. Ich sehe Einzelschicksale vor mir von Kindern, die ich kenne. Sehe die fehlenden Lernerfahrungen, die sie nicht machen können. Das “noch unabsehbare” an dem Gedanken macht mir große Angst. Die Ungewissheit vermittelt mir ein Gefühl von Kontrollverlust, von Ausgeliefert sein. Das Ganze bekommt in meiner Vorstellung ein apokalyptisches Ausmaß.
Wer bist du ohne den Gedanken? Ohne den Gedanken lande ich im Hier und Jetzt. Sehe ich die Kinder vor mir, mit denen ich unmittelbar zu tun habe. Ohne den Gedanken existiert die Vorstellung von “Spätfolgen” gar nicht. Was ist das eigentlich? Eine Folge, die irgendwann eintritt, aufgrund von Erfahrungen, die jetzt gemacht (oder auch nicht gemacht werden?). Wer kann das denn wirklich beurteilen? Ohne den Gedanken fühle ich mich verbunden mit den Kindern, mit denen ich zu tun habe, kann ich mich denen, denen ich begegne auf sehr unmittelbare Art und Weise nähern. Genieße ich das Gespräch mit den Nachbarskindern über den Gartenzaun, freue ich mich, dass auch meine Schüler und Schülerinnen bei Ihren Eltern und Familien gut aufgehoben sind. Ohne den Gedanken werde ich aktiv und versuche auf einfache Art und Weise das Leben der Kinder um mich herum zu bereichern. Ohne den Gedanken staune ich über das, was Kinder lernen, ich entdecke in mir ein großes Vertrauen in ihre Gestaltungs- und Anpassungsfähigkeit. Mir wird auch bewusst, dass es ein “Später” gar nicht gibt. In dem Moment, wo es da ist, ist es ein “Jetzt”. Später ist immer innerhalb einer Vorstellung, einer Imagination, einer Geschichte.
Kehre den Gedanken um
Ich werde an noch unabsehbaren Spätfolgen leiden.
Ja, wenn ich weiter diesen Gedanken glaube, werde ich wahrscheinlich in einer emotionalen Abwärtsspirale landen, die es mir unmöglich macht, den Kindern positiv und freundlich zu begegnen, mit denen ich zu tun habe.
Die Spätfolgen von Corona sind unabsehbar. Für die Kinder und für mich auch.
Wir können nicht in die Zukunft sehen, das ist nach wie vor unmöglich. Insofern ist diese Umkehrung wahr.
Sie werden nicht an unabsehbaren Spätfolgen leiden.
Das ist genauso möglich wie der Ursprungsgedanke.
Die Spätfolgen müssen nicht so schlimm sein wie ich es befürchte. Unter den von mir befürchteten Folgen müssen sie deshalb nicht zwangsläufig “leiden”. Es ist ihre Sache was sie daraus machen. Vielleicht gelingt es ihnen gut selbst wenn es für mich nicht so aussehen mag.
Wenn das “Später” eintritt ist die Folge nicht mehr unabsehbar. Dann ist sie da und ob man dann weiß, ob es wirklich eine direkte Folge des Lockdowns ist bleibt dahin gestellt. Die Angst in mir entsteht durch das nicht greifbare an dem Wort “Später”. Wenn die Folge da ist kann ich damit umgehen.
Alleine kümmern
Die Situation: Du bist alleinerziehend mit einem oder mehr Kindern. Vielleicht wird deine Situation erschwert durch die Schul- und Kitaschließungen, vielleicht kennst du den Gedanken aber auch aus anderen Situationen. Begleite mich gerne durch diese Work. Vielleicht kennst du meine Antworten von dir selbst, vielleicht findest du für dich selbst noch mehr Antworten.
Die Situation: Du bist alleinerziehend mit einem oder mehr Kindern. Vielleicht wird deine Situation erschwert durch die Schul- und Kitaschließungen, vielleicht kennst du den Gedanken aber auch aus anderen Situationen. Begleite mich gerne durch diese Work. Vielleicht kennst du meine Antworten von dir selbst, vielleicht findest du für dich selbst noch mehr Antworten. Ich bin nicht alleinerziehend, kenne den Gedanken aber trotzdem aus anderen Situationen, in denen ich mich sehr alleine mit meinen kleinen Kinder gefühlt habe. Ich erinnere mich an eine ganz konkrete Situation, an einem Abend nach einem anstrengenden Tag mit den Kindern. Mein Mann war schon seit längerem auf Geschäftsreise und nicht erreichbar. Ich bin gespannt, wohin die Überprüfung uns führt. Man kann sich vorher nie sicher sein. Ich habe dabei schon oft Überraschungen erlebt. Vergiss nicht, dass “The Work” keine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema ist. “The Work” benötigt einen ruhigen, betrachtenden, meditativen Zustand, in dem die Antworten auftauchen können.
Ich muss mich um alles alleine kümmern.
Ist das wahr? Ja
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass der Gedanke wahr ist? Nein (vielleicht ist deine Antwort hier Ja, auch das ist ok)
Wie reagierst du und was passiert, wenn du den Gedanken glaubst? Ich werde wütend, traurig, mutlos. Ich fühle mich überfordert, hilflos. Ich sehe mich zusammenbrechen in der Zukunft. Hin und Hergerissen zwischen dem Gefühl, einfach alles hinzuschmeissen und mich auf der anderen Seite auch um meine Kinder kümmern zu müssen/wollen. Ich sitze zwischen den Stühlen. Ich sehne die Zeit herbei, in der es nicht mehr so ist. Ich versuche andere mit in die Verantwortung zu nehmen (Familienmitglieder, Freunde, Erzieher, Lehrer). Ich bin angespannt, fühle einen Kloss im Hals, möchte am liebsten weinen und schreien, weiß aber, dass es nichts bringt, das führt mich in Verzweiflung. Dann reiße ich mich innerlich zusammen, erhöhe den Druck auf mich, rede mir gut zu, versuche das Positive in der Situation zu sehen. Ich schwanke zwischen der Dankbarkeit für meine Kinder, die ich ja habe (aber mehr im Kopf, ich fühle sie im Augenblick nicht) und der totalen Überforderung. Ich habe das Gefühl, dass meine eigenen Bedürfnisse nicht sein dürfen. Ich sehe so viele Dinge, die ich noch erledigen möchte oder muss. Ich vergleiche mich mit anderen Familien und bin neidisch.
Wer wäre ich in dem Moment ohne den Gedanken? Mir wäre bewusst, dass ich gerade nichts habe, worum ich mich kümmern muss. Ein Kind schreit, ja. Ich höre es, ich reagiere ohne dass ich mir stressvolle Gedanken über das Schreien oder mich selbst mache, oder ich reagiere nicht. Ich würde mir keine Gedanken machen über andere Dinge, die ich noch erledigen muss. Ich wäre im Moment. präsent und innerlich entspannter. Ich würde meine Kraft und meine Müdigkeit wahrnehmen, ohne mir eine stressvolle Geschichte darüber zu erzählen. Es wäre einfach alles so, wie es grade wäre. Ich merke, dass ich damit klarkomme. Dass ich alles habe, was ich im Moment brauche. Mir würde bewusst werden, dass die Kinder schon ganz schön viel alleine machen können. Zähneputzen zum Beispiel. Ich muss sie daran erinnern, aber putzen können sie selbst. Darum brauche ich mich nicht mehr kümmern.
Die Umkehrungen:
Ich muss mich um mich alleine kümmern.
(Es kann sein, dass für dich andere als die folgenden Beispiele mehr Sinn machen. Lass dich aber gerne von meinen Beispielen inspirieren)
Es ist in diesem Moment keiner da, der sich um mich kümmert. Ich muss mich alleine um mich kümmern, damit ich klarkomme. Damit ich gut mit mir umgehe.
Ich alleine weiß, was mir wirklich gut tut. Das kann niemand anderer wissen.
Weil es mir gut tut, mich um mich zu kümmern. Mich alleine um mich zu kümmern und es nicht von jemand anderem zu erwarten.
Ich muss mich nicht um alles alleine kümmern.
Die Kinder sind da. Ich kann sehen, dass sie sich auch schon um Dinge kümmern. Sie suchen ihr Kuscheltier, sie spielen, sie putzen die Zähne.
Im übertragenen Sinne habe ich mich selbst als meine Unterstützung. Ich bin nicht alleine, weil ich mir selbst Zuspruch und Ermutigung sein kann.
Ich muss mich nicht um A L L E S alleine kümmern. Ich habe Menschen, die Dinge für mich erledigen. Die sich auch kümmern. Meine Nachbarn zum Beispiel, die rechtzeitig den Müll rausstellen. Mir fallen aber auch noch andere Beispiele dazu ein.
Meine Kinder müssen sich um alles alleine kümmern.
Sie müssen sich darum kümmern, ihr Leben zu leben. Zu schreien, zu spielen, mich zu rufen. Das nimmt ihnen niemand ab, weil es, so klein sie sind, ihre eigene Angelegenheit ist. (Dieser Gedanke fühlt sich für mich gut an. Sie leben ihr eigenes Leben, das kann ich ihnen nicht abnehmen und das ist auch gut so).
Sie müssen sich um alles alleine kümmern, wenn ich damit beschäftigt bin, mich zu bemitleiden. Dann bin ich in meiner traurigen Geschichte unterwegs und nehme gar nichts von ihnen wahr.
Ein weiteres Beispiel fällt mir hierfür nicht ein…vielleicht findest du eines für dich. Manchmal macht es Sinn, länger in so einem Satz zu sitzen und ihn wirken zu lassen, weil er sich nicht sofort erschließt oder in mir auf Widerstand stößt. Wenn ich ihm (dem Satz) Raum gebe und ihn nicht von vornherein ablehne, habe ich schon oft erlebt, dass er mir eine befreiende Wahrheit schenkt, die mir Frieden gibt. Dass sich eine neue Sicht auf eine Situation entwickelt, weil ich bereit bin, sie nicht so eindimensional zu sehen, wie ich das zu Beginn der Work oft tue.