Alleine kümmern
Die Situation: Du bist alleinerziehend mit einem oder mehr Kindern. Vielleicht wird deine Situation erschwert durch die Schul- und Kitaschließungen, vielleicht kennst du den Gedanken aber auch aus anderen Situationen. Begleite mich gerne durch diese Work. Vielleicht kennst du meine Antworten von dir selbst, vielleicht findest du für dich selbst noch mehr Antworten. Ich bin nicht alleinerziehend, kenne den Gedanken aber trotzdem aus anderen Situationen, in denen ich mich sehr alleine mit meinen kleinen Kinder gefühlt habe. Ich erinnere mich an eine ganz konkrete Situation, an einem Abend nach einem anstrengenden Tag mit den Kindern. Mein Mann war schon seit längerem auf Geschäftsreise und nicht erreichbar. Ich bin gespannt, wohin die Überprüfung uns führt. Man kann sich vorher nie sicher sein. Ich habe dabei schon oft Überraschungen erlebt. Vergiss nicht, dass “The Work” keine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema ist. “The Work” benötigt einen ruhigen, betrachtenden, meditativen Zustand, in dem die Antworten auftauchen können.
Ich muss mich um alles alleine kümmern.
Ist das wahr? Ja
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass der Gedanke wahr ist? Nein (vielleicht ist deine Antwort hier Ja, auch das ist ok)
Wie reagierst du und was passiert, wenn du den Gedanken glaubst? Ich werde wütend, traurig, mutlos. Ich fühle mich überfordert, hilflos. Ich sehe mich zusammenbrechen in der Zukunft. Hin und Hergerissen zwischen dem Gefühl, einfach alles hinzuschmeissen und mich auf der anderen Seite auch um meine Kinder kümmern zu müssen/wollen. Ich sitze zwischen den Stühlen. Ich sehne die Zeit herbei, in der es nicht mehr so ist. Ich versuche andere mit in die Verantwortung zu nehmen (Familienmitglieder, Freunde, Erzieher, Lehrer). Ich bin angespannt, fühle einen Kloss im Hals, möchte am liebsten weinen und schreien, weiß aber, dass es nichts bringt, das führt mich in Verzweiflung. Dann reiße ich mich innerlich zusammen, erhöhe den Druck auf mich, rede mir gut zu, versuche das Positive in der Situation zu sehen. Ich schwanke zwischen der Dankbarkeit für meine Kinder, die ich ja habe (aber mehr im Kopf, ich fühle sie im Augenblick nicht) und der totalen Überforderung. Ich habe das Gefühl, dass meine eigenen Bedürfnisse nicht sein dürfen. Ich sehe so viele Dinge, die ich noch erledigen möchte oder muss. Ich vergleiche mich mit anderen Familien und bin neidisch.
Wer wäre ich in dem Moment ohne den Gedanken? Mir wäre bewusst, dass ich gerade nichts habe, worum ich mich kümmern muss. Ein Kind schreit, ja. Ich höre es, ich reagiere ohne dass ich mir stressvolle Gedanken über das Schreien oder mich selbst mache, oder ich reagiere nicht. Ich würde mir keine Gedanken machen über andere Dinge, die ich noch erledigen muss. Ich wäre im Moment. präsent und innerlich entspannter. Ich würde meine Kraft und meine Müdigkeit wahrnehmen, ohne mir eine stressvolle Geschichte darüber zu erzählen. Es wäre einfach alles so, wie es grade wäre. Ich merke, dass ich damit klarkomme. Dass ich alles habe, was ich im Moment brauche. Mir würde bewusst werden, dass die Kinder schon ganz schön viel alleine machen können. Zähneputzen zum Beispiel. Ich muss sie daran erinnern, aber putzen können sie selbst. Darum brauche ich mich nicht mehr kümmern.
Die Umkehrungen:
Ich muss mich um mich alleine kümmern.
(Es kann sein, dass für dich andere als die folgenden Beispiele mehr Sinn machen. Lass dich aber gerne von meinen Beispielen inspirieren)
Es ist in diesem Moment keiner da, der sich um mich kümmert. Ich muss mich alleine um mich kümmern, damit ich klarkomme. Damit ich gut mit mir umgehe.
Ich alleine weiß, was mir wirklich gut tut. Das kann niemand anderer wissen.
Weil es mir gut tut, mich um mich zu kümmern. Mich alleine um mich zu kümmern und es nicht von jemand anderem zu erwarten.
Ich muss mich nicht um alles alleine kümmern.
Die Kinder sind da. Ich kann sehen, dass sie sich auch schon um Dinge kümmern. Sie suchen ihr Kuscheltier, sie spielen, sie putzen die Zähne.
Im übertragenen Sinne habe ich mich selbst als meine Unterstützung. Ich bin nicht alleine, weil ich mir selbst Zuspruch und Ermutigung sein kann.
Ich muss mich nicht um A L L E S alleine kümmern. Ich habe Menschen, die Dinge für mich erledigen. Die sich auch kümmern. Meine Nachbarn zum Beispiel, die rechtzeitig den Müll rausstellen. Mir fallen aber auch noch andere Beispiele dazu ein.
Meine Kinder müssen sich um alles alleine kümmern.
Sie müssen sich darum kümmern, ihr Leben zu leben. Zu schreien, zu spielen, mich zu rufen. Das nimmt ihnen niemand ab, weil es, so klein sie sind, ihre eigene Angelegenheit ist. (Dieser Gedanke fühlt sich für mich gut an. Sie leben ihr eigenes Leben, das kann ich ihnen nicht abnehmen und das ist auch gut so).
Sie müssen sich um alles alleine kümmern, wenn ich damit beschäftigt bin, mich zu bemitleiden. Dann bin ich in meiner traurigen Geschichte unterwegs und nehme gar nichts von ihnen wahr.
Ein weiteres Beispiel fällt mir hierfür nicht ein…vielleicht findest du eines für dich. Manchmal macht es Sinn, länger in so einem Satz zu sitzen und ihn wirken zu lassen, weil er sich nicht sofort erschließt oder in mir auf Widerstand stößt. Wenn ich ihm (dem Satz) Raum gebe und ihn nicht von vornherein ablehne, habe ich schon oft erlebt, dass er mir eine befreiende Wahrheit schenkt, die mir Frieden gibt. Dass sich eine neue Sicht auf eine Situation entwickelt, weil ich bereit bin, sie nicht so eindimensional zu sehen, wie ich das zu Beginn der Work oft tue.