Die Selbstoptimierungsfalle
Es gibt viele Tools, die dir helfen sollen, dich selbst zu verbessern. Natürlich steht es dir frei, auch The Work auf diese Weise zu betrachten und zu nutzen. Du wirst, bei ehrlicher Überprüfung, aber wahrscheinlich früher oder später feststellen, dass der Gedanke, dass an dir selbst etwas zu optimieren wäre, auch ein Gedanke ist, der es wert ist geprüft zu werden.
Ich sollte mich/ bzw. etwas an mir optimieren.
Ist das wahr?
Ja. Ich bin oft nicht 100% zufrieden damit, wie ich bin und finde immer etwas an mir auszusetzen, selbst wenn ich weiß, dass das nicht besonders zielführend ist, deshalb lautet meine Antwort Ja.
Kannst du das mit absoluter Sicherheit wissen?
Auch wenn hier als erstes ein lautes Ja auftauchen will, sitze ich etwas länger mit der Frage…Und nein, ich kann es nicht mit absoluter Sicherheit wissen, dass ich mich bzw. etwas an mir optimieren sollte. Nein.
Wie reagierst du, was passiert, wenn du den Gedanken glaubst?
Ich fühle mich angespannt, wie ein Sportler vor dem Startschuss. Ich bin angestrengt. Ich vergleiche mich mit anderen, die in meinen Augen optimaler sind. Die mit ihren Möglichkeiten “besser” umgehen als ich, die mehr aus sich machen als ich das tue. Ich fühle mich amerkanisch ,-) Eine “vom Tellerwäscher zum Millionär” Geschichte will auftauchen. Ich sehe mich “groß rauskommen” wenn ich “es” geschafft habe. Ich fange an, mich zu kritisieren und eine innere Liste mit vielen kleinen Details oder auch größeren Dingen zu führen, die an mir nicht in Ordnung sind. Ich kann nicht akzeptieren, wer und wie ich bin. Ich lehne mich ab. Bei flüchtiger Betrachtung könnte ich meinen inneren Zustand mit diesem Gedanken als “energetisch” bezeichnen, aber eigentlich ist er nur anstrengend und quälend.
Wer bist du ohne den Gedanken?
Ohne den Gedanken, ich sollte mich/ etwas an mir, optimieren, lande ich im Moment. Ich fühle mich in meinem Körper und mit ihm verbunden. Ich nehme wahr, dass ich diejenige bin, die sich selbst wahrnimmt. Ohne den Gedanken gibt es keinen Vergleich mit anderen und keinen Vergleich mit einer besseren Version von mir selbst. Ohne den Gedanken bin ich ok. Die Idee von Optimierung scheint absurd. Sie ist, ohne den Gedanken, eine Illusion.
Kehre den Gedanken um.
Ich sollte mich/ etwas an mir nicht optimieren.
Ohne den Gedanken gibt es nichts zu optimieren, warum also sollte ich das tun (wollen)?
Ich sollte mich nicht ablehnen, sondern mit mir selbst verbunden sein, das fühlt sich sehr viel friedlicher an, als etwas an mir optimieren zu wollen (Achtung! Hier könnte ein neuer Glaubenssatz versteckt sein.)
Ich sollte mich nicht optimieren, weil ich (bei anderen) das Unperfekte schätze. Ich mag nicht diese unnahbaren, glatt gebügelten Strahlemenschen, die auf mich immer etwas unecht wirken. Warum sollte ich das dann für mich selbst wollen?
Ich sollte mein Denken optimieren.
Oh ja! Das ist sehr wahr. Mein Denken sollte ich durch die Überprüfung mit The Work optimieren. Ihm helfen, die Realität zu akzeptieren und sich nicht in Geschichten von etwas “optimalerem” zu verlieren.
Ich sollte mein Denken optimieren, in dem ich ihm helfe, freundlicher mit mir selbst zu sein. Mich nicht zu verurteilen sondern mich darin zu unterstützen, meinen Weg zu gehen. In Verbundenheit mit mir selbst, nicht im Kampf mit mir.
Die Umkehrung “Ich sollte mein Denken optimieren” macht mir deutlich, dass es sich dabei um einen Prozess handelt, der gelebt werden will. So wie ein Sportler regelmäßig trainiert, um optimalere Leistungen bringen zu können, will mein Denken regelmäßig trainiert werden.
Ich sollte mich/etwas an mir verschlechtern.
Diese Umkehrung zeigt mir, dass es sich beim Optimum oder bei seinem Gegenteil, um sehr variable und dehnbare Bezeichnungen handelt. Wer sagt schon, was optimal oder schlechter als das ist? Ich sollte mich also verschlechtern, indem ich mich von meinem vorgestellten Ideal von mir verabschiede und Kontakt aufnehme zu der Person, die ich jetzt bin. Möglicherweise ist das in meinem Streben nach Perfektion eine Verschlechterung aber in der Realität viel friedlicher und liebevoller als das.
Vielleicht bin ich auch so mutig und prüfe diese Umkehrung. Prüfe, ob ich z. B. wenn ich in meinen Augen einen schlechten Tag habe, nicht gut aussehe (Bad Hair Day ,-)) oder mich schlecht angezogen fühle, trotzdem gesehen und gemocht werde. Denn mein Streben nach Perfektion ist nichts anderes als die Suche nach Liebe, Anerkennung und Wertschätzung.