Schulische Prüfungen

Den Satz “Ich weiß nicht was ich machen soll” hat wohl jeder Mensch schon oft im Leben gedacht. Ich kenne ihn sehr gut aus den unterschiedlichsten Situationen. Darunter liegt die Überzeugung: Ich muss wissen was ich machen soll.

Als Beispielhafte Situation soll eine Unterrichtsstunde mit Unterrichtsbesuch dienen, die während des Referendariates oder einer anderen schulischen Prüfungssituation (mündliche Prüfung oder Revision zum Beispiel) stattfindet. In der Prüfungssituation entsteht eine kritische Situation durch ein ungeplantes Ereignis. Dadurch kommt es zu einer Art Blackout, Erstarrung, Panik.

Ich muss wissen was ich machen soll.

  1. Ist das wahr? Meine Antwort hierauf lautet Nein.

    (Wenn deine Antwort darauf Ja lautet ist das auch ok. Die Antwort auf Frage 1 und 2 ist immer entweder ein Ja oder ein Nein. Denke daran, dass es nicht um eine analytische, intellektuelle Herangehensweise geht. Betrachte die Situation vor deinem inneren Auge (gerne auch mit geschlossenen Augen) und warte darauf, welches Wort auftaucht. Ein Ja oder ein Nein.)

  2. Wenn die Antwort auf die 1. Frage Nein lautet geht man weiter zu Frage 3. Bei der Antwort Ja stellt man sich die 2. Frage: Kannst du absolut sicher wissen, dass das wahr ist?

  3. Wie reagierst du und was passiert, wenn du den Gedanken glaubst?

    Ich werde nervös, panisch. Mein Puls geht schneller, ich spüre mein Herz klopfen und habe das Gefühl, man müsse es durch mein Oberteil sehen können. Ich schwitze, mir wird schwarz vor Augen. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ich versuche mich an das zu erinnern, was ich geplant und gelernt habe. Ich bin verunsichert von den Prüfer*innen. Fühle ihre Blicke. Ich bin blockiert, stehe auf der Stelle. Ich verliere den Faden, verliere den Kontakt zu den Schüler*innen und zu mir selbst. Ich bin getrennt von allem und wie eingefroren. Ich jongliere mich durch die Situation und hoffe, dass es nicht auffällt. Ich werde rot, spreche hektisch und undeutlich. Habe Angst vor den Konsequenzen. Ich denke an die letzten Male, als es mir auch so gegangen ist. Ich erinnere mich an die mündliche Abiturprüfung, die an mir vorbei gerauscht ist. Mir fallen die Dinge ein, die ich noch hätte sagen wollen, aber nicht mehr sagen konnte. Ich setze mich selbst unter Druck, versuche eine Vorstellung von dem zu produzieren, was ich machen soll. Ich behandle die Prüfer*innen wie wilde Tiere, ich bin vorsichtig ihnen gegenüber, versuche sie mit meinen Gedanken zu manipulieren. Ich versuche irgendwie zu erreichen, dass sie mir gewogen sind. Ich bereite mich exzessiv vor, plane jeden Gedanken, jede Minute. Lerne alles auswendig, werde unflexibel.

  4. Wer wärest du ohne den Gedanken? Ohne den Gedanken “Ich muss wissen was ich machen soll” wäre ich entspannter. Ich würde bemerken, dass ich gerade nicht weiß wie es weiter geht, dass ich den Faden verloren habe. Ich wäre gelassen, könnte kreativ mit der Situation umgehen ohne Vorstellungen von den Auswirkungen. Ich hätte Zugriff auf meine Ressourcen. Mein Lächeln. Meine Ehrlichkeit. Vielleicht könnte ich sagen: “Ich hab kurz den Faden verloren. Moment mal eben.” Ich hätte keine Angst. Wäre verbunden mit der Situation, mit mir, den Schüler*innen und Prüfer*innen. Ich merke, wie ich die Situation sogar etwas lustig finden kann. Wie ich gespannt darauf bin, wie ich sie meistere. Ich bin neugierig auf mich selbst. Offen.

Kehre den Gedanken um.

Ich muss nicht wissen, was ich machen soll.

  • Letztendlich muss ich es nicht vorher wissen. Wenn es passiert, passiert es. Ich brauche es nicht vorher wissen. Ich gehe damit um, wenn es passiert.

  • In der Prüfungssituation hindert mich sogar der Gedanke “Ich muss wissen, was ich machen soll” daran, entspannt zu reagieren weil ich mit der Analyse und den Gedanken über die Situation beschäftigt bin. Ich bin dadurch total angespannt und kann nicht frei und intuitiv reagieren, was erfahrungsgemäß eigentlich immer am besten ist. Ich muss es nicht wissen weil ich dann unvoreingenommen und frei handeln kann.

  • Ich muss es nicht wissen, weil ich nicht aus den Augen der Prüfer heraus mein Leben leben kann. Und das gilt auch für diese Situation. Ich muss wissen, was für mich jetzt das richtige ist und nicht was ich “soll”. Mit dem Wort soll bin ich in den Angelegenheiten der Prüfer. Ich versuche die Situation aus ihren Augen heraus, aus ihrem Kopf heraus zu betrachten, zu bewerten und gleichzeitig sogar noch zu handeln, dass sie mir wohlgesonnen sind. Ich habe aber in keiner Weise in dieser Situation einen Einfluss darauf. Ich muss nicht wissen, was ich in den Augen der Prüfer machen soll um so zu handeln und zu reagieren wie es für mich richtig ist.

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