Putin greift an.

Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe. Noch bevor Bomben fallen. Und dann fallen sie. Das Undenkbare passiert. Er wird doch nicht? Doch er wird. Und nicht nur das. Er bringt Atomwaffen in Stellung. Jedenfalls heißt es so.

Ich vertraue The Work, aufgrund vieler Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren damit gemacht habe sehr und will versuchen, damit Licht und Frieden in mein Denken zu bringen. Byron Katie sagt oft: Mache The Work nicht mit einem Motiv. Mache sie aus Liebe zur Wahrheit.

Vielleicht treffen wir uns während dieser Überprüfung. Die Wahrheit und mein Motiv. Und unterwegs begegnen wir vielleicht sogar der Liebe.

Putin greift die Ukraine an.

  1. Ist das wahr?

    Ja

  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

    In mir taucht auf, dass er ja nicht selbst an der Front steht. Er mag den Einsatzbefehl gegeben haben, ziemlich sicher hat er das. Ich habe aber keine Information, in wieweit auch andere Personen an der Entscheidung beteiligt waren Deshalb ist meine ehrliche Antwort auf Frage 2 ein “Nein”.

  3. Wie reagierst du, was passiert, wenn du den Gedanken glaubst?

    Ich bekomme Angst, ich höre und sehe Nachrichten. Wortfetzen kommen in meine Erinnerung. Nato, Grenzen, erster Angriffskrieg nach 1939, ich sehe das Gesicht von Putin vor mir, denke an Berichte, die ich schon vor Jahren über ihn gesehen habe. Ich bin verzweifelt, weil mögliche Chancen, diesen Augenblick zu verhindern, schon vor Jahren verpasst wurden. Ich stelle mir vor, wie der Krieg unser Land und die ganze Welt verändert. Ich wage nicht in Richtung Atomkrieg zu denken, verbiete mir das Undenkbare und traue es ihm gleichzeitig zu. Ich konzentriere mich auf mein hier und jetzt, bemerke, wie meine Gedanken immer wieder abschweifen. Wie es mir unmöglich ist, bei mir zu bleiben. Ich fühle mich alleine, obwohl ich sehe, dass so viele Menschen wie ich fühlen, Menschen auf die Strasse gehen, Solidarität zeigen. Ich überlege wie ich helfen kann.

  4. Wer wärest du ohne den Gedanken?

    Ohne den Gedanken (und die in mir damit verknüpfte Geschichte) bin ich entspannt. Ich sehe was passiert. Nehme es zur Kenntnis, fühle mich verbunden mit der Menschheit. Ja, das ist es was Menschen seit Jahrtausenden tun. Sie führen Krieg. Innerlich und äußerlich. Ohne den Gedanken sehe ich den Krieg, den ich in mir selbst führe. Gegen mich selbst. Das Unterdrücken und nicht wahr haben wollen, dass Menschen in der Lage sind so etwas zu tun. Ich beginne mich der Realität zu stellen und merke, wie ich dadurch in meine Handlungsfähigkeit zurück finde. Ich kann Abschied nehmen von meiner Vorstellung davon, wie die Welt zu sein hätte. Ich sehe, wie sie in diesem Moment ist (zumindest in dem Teil der Welt, den ich gerade wahrnehme). Ich beginne zu weinen. Über die Menschheit, über mich. Es sind Tränen der Trauer und Verbundenheit. Sonst ist da kein Schmerz. Ohne den Gedanken ist kein Aktionismus da. Ich tue was ich tue und was ich tun kann. Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe keine Angst vor der Zukunft mehr.

Kehre den Gedanken um und finde für jede Umkehrung Beispiele, warum die Umkehrung genauso wahr ist wie der Ursprungsgedanke.

Umkehrung 1: Ich greife mich an.

Ja das ist wahr. Ich greife mich selbst an, in dem ich mich und mein Denken unterdrücke. In dem ich nicht wahr haben will, was passiert. Indem ich mir keine Zeit nehme, zu fühlen. Die Trauer zu fühlen. Den Schmerz. Die Verbundenheit.

Ich greife mich auch selbst an, in dem ich mir eine vorgestellte Welt erzähle. Wie die Welt sein sollte, obwohl sie es gerade nicht ist.

Umkehrung 2: Ich greife die Ukraine an.

Diese Umkehrung verwirrt mich. Nein das tue ich doch nicht, ist der erste Gedanke. Doch ich habe gelernt, dass The Work mir manchmal tiefere Wahrheiten beschert, wenn ich ein bisschen in dem Gedanken sitze, wenn ich ihn zulasse und darauf warte, dass er seine Weisheit (auch im übertragenen Sinne) entfalten kann.

Ich greife die Ukraine an, in dem ich sie als Opfer betrachte. Als Opfer eines Angriffs. Ich erschaffe in meinem Denken das Bild einer angegriffenen, schwachen Ukraine. Dabei braucht die Ukraine jetzt meine Unterstützung, meine Verbundenheit und mein Vertrauen in ihre Stärke.

Ich greife (im übertragenen Sinne) die Ukraine an, in dem ich mir die Bilder der Angriffe immer wieder in Gedanken ansehe. Ich habe durch die Medien das Bild eines Angriffes gezeigt bekommen, in meinem Kopf spielt es sich aber immer wieder ab, wie in der Wiederholung. Das ist es was mein Denken tut. Diese Umkehrung hilft mir, mein Denken besser zu verstehen, mich etwas von der aufgeregten Energie, die damit verbunden ist, zu distanzieren.

Umkehrung 3: Ich greife Putin an.

Das ist wahr. Ich greife ihn an in meinen Gedanken, will ihn tot sehen, vernichtet.

Ich greife ihn an, weil er meiner Meinung nach der einzig Schuldige der ganzen Angelegenheit ist.

Ich greife ihn an, weil er mein persönliches Leben, meine Welt, wie ich sie gerne hätte, bedroht. (Leider wird mir dabei deutlich, dass ich nicht so selbstlos bin, wie ich gerne sein würde. Es geht mir hier sehr um mich selbst, um meine eigene Sicherheit und die meiner Familie. Da ist plötzlich sehr wenig Solidarität und Mitgefühl mit der Ukraine in mir.)

Umkehrung 4: Putin greift die Ukraine nicht an.

Durch diese Umkehrung taucht in mir die Frage auf, was Angreifen überhaupt ist und bedeutet. Heißt es eine Bombe zu werfen? Ist es die Absicht, Macht auszuüben und zu demonstrieren?

Für mich ist Angriff die Reaktion auf eine befürchtete oder reale Bedrohung, es ist eine Form der Verteidigung.

(Bei den Beispielen, die mir zu dieser Umkehrung einfallen, handelt es sich lediglich um Möglichkeiten. Keine davon kann ich sicher wissen. Mir helfen allerdings auch die Möglichkeiten sehr, mein Denken zu weiten.)

In genannten Sinne (als unmittelbare Reaktion auf eine Bedrohung) greift Putin die Ukraine möglicherweise nicht an. Es gab keine unmittelbare Bedrohung. Vielmehr scheint das Vorgehen von viel Kalkül geprägt zu sein.

Er greift nicht die komplette Ukraine an. Es gibt Dörfer, Städte, die (bisher) verschont sind, weil sie für ihn von keinem großen, strategischen Interesse sein mögen.

Umkehrung 5: Die Ukraine greift Putin an.

Ja das ist auch wahr. Die Ukraine verteidigt sich, sie reagiert auf die reale Bedrohung. Das ist, wie ich vorher beschrieben habe, eine Art des Angreifens.

Sie greift Putin an, mit Hilfe von Medien. Sie nutzt soziale Medien, Kontakte zu anderen Ländern um Putin und sein Handeln zu veröffentlichen.

Nach dieser Work fühle ich mich friedlicher. Ich bin erwacht in einer Welt, in der es Krieg gibt. In der Krieg Realität ist. Ich habe meinen Frieden damit gefunden. Wehre mich nicht mehr dagegen. Bin voller Liebe für die Menschheit, die noch keinen Weg heraus gefunden hat. Ich habe in diesem Moment in mir selbst für Frieden gesorgt. Frieden mit dem Krieg. Paradox und wahr.

The Work ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Diese Überprüfung, die Gedanken und Beispiele funktionieren für mich. Du selbst findest vielleicht andere oder auch zusätzliche, die weiterhelfen.

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