Der Sturm...
In der Nacht vom Sonntag 9. auf Montag, den 10. Februar, wurde in ganz Deutschland ein großer Sturm angekündigt. Schulen wurden für den Montag vorsorglich geschlossen, über Social Media und die Nachrichten stürmten den ganzen Tag Informationen über Windstärke, mögliche Schäden, Verlauf des Sturms und und und in die Gehirne. So auch in meins.
Erinnerungen an den letzten großen Sturm, Kyrill, der in unserem Garten eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hatte, wurden wach. Ich bekam Angst. Folgende Work hat mir weitergeholfen. (Die kursiv gedruckten Teile sind ein Teil der Antworten, die bei der Überprüfung in mir auftauchten)
Mein Gedanke war: Der Sturm macht bei uns etwas kaputt.
Ist das wahr? Ja
Kannst du dir absolut sicher sein, dass das wahr ist? Ja
Wie reagierst du und was passiert, wenn du den Gedanken glaubst? Ich bekomme Angst. Ich sehe Bilder aus der Vergangenheit, als etliche Bäume in unserem Garten lagen, die Fensterscheiben im Wohnzimmer sich nach innen bogen. Ich erinnere mich an die Angst um mich und meine Kinder. Ich erinnere mich daran, dass mein Mann in dieser Nacht nicht zuhause war. Ich stelle eine Verbindung her, weil er jetzt gerade auch nicht zuhause ist. Ich sehe mich im Geist am nächsten Tag ums Haus gehen und die Schäden suchen. Ich sehe mich in der Nacht im Bett liegen und Angst haben, dass ein Baum aufs Dach stürzt und mich oder meine Kinder unter sich begräbt. Ich tue mir leid. Ich bin wütend auf den Sturm , weil er da ist und auf meinen Mann, weil er nicht da ist. Ich fühle mich ausgeliefert, wie ein Kaninchen vor der Schlange. Ich warte. Ich bin nicht im Jetzt.
Wer wärest du ohne den Gedanken? Ich wäre mehr im Moment. Ich würde merken, dass ich den Sturm nicht fürchte. Mir wird bewusst, dass die Gedanken an das befürchtete Danach es sind, die mir Angst machen. Ich würde den Sturm nicht mehr als Gegner empfinden. Ich wäre neugierig. Ich würde dem Sturm zuhören. Ich würde hören was er zu sagen hat. Ich wäre entspannt. Ich wüsste, dass ich mit dem Danach umgehen könnte, wenn es erforderlich wird.
Kehre den Gedanken um:
Der Sturm macht bei uns nichts kaputt.
Kaputt ist meine Definition des befürchteten Zustandes. Es ist jedoch nicht der Zustand, den ich fürchte. Ich werde damit umgehen können. Mit den Dingen, wie sie sind. Jetzt oder irgendwann. Es sind meine Gedanken darüber, die den Stress hervorrufen. Meine Gedanken über das Danach. (“Gott, es wird alles kaputt sein, wie soll ich das schaffen es aufzuräumen, es wird teuer werden. Was ist wenn das Dach kaputt geht usw. usw.…”) Der Sturm macht die Dinge nicht kaputt. Er verändert sie vielleicht, oder auch nicht. Meine Gedanken sind es, die die Dinge kaputt machen (bzw. die dem kaputten Zustand den Schrecken und die Angst verleihen).
Der Sturm macht bei uns etwas heil.
Er macht in meinem Kopf etwas heil, weil ich mich damit auseinandersetze und meinen Gedanken überprüfe. Er hilft mir, mich durch die Überprüfung hindurch zu entspannen und ihn nicht mehr als Gegner und Feind zu empfinden. Er tut, was er tut. Es ist die Aufgabe eines Sturmes, genau das zu tun. Er macht das gut. Ich spüre fast so etwas wie Verbundenheit und Anerkennung für ihn.
Wir machen etwas bei dem Sturm kaputt.
Wir geben ihm ein falsches Image. Ein Image als Gefahr, als Feind, etwas, vor dem wir uns schützen müssen. Statt einfach zu tun, was wir tun (Dinge befestigen, wegräumen damit sie nicht wegfliegen…), bauschen wir alles um dieses Ereignis herum auf und machen mehr Wind als der Sturm.