Eifersucht
Eifersucht kann unendlich quälend sein und in allen möglichen Verkleidungen auftauchen. Mal ist es der Blick, den der Partner jemand anderem zuwirft, mal ist es die Kollegin, die von allen gemocht wird und im Licht der Aufmerksamkeit steht.
Mal ist es vielleicht auch ein Lifestyle, den du bewunderst und gerne für dich hättest. Und dabei muss es sich nicht um materielle Güter handeln. Es kann auch der Besuch sein, den jemand anderes hat und du nicht. Aufmerksamkeit, Liebe, Wertschätzung, Respekt, aber auch Materielle Güter, Freunde, Zeit, ein bestimmter Körper, Haare, Nase, Stimme, Gang, Talent, Lachen…es gibt nichts was sich nicht eignet, um zum Gegenstand von Eifersucht zu werden. Eifersucht will dich in dem Moment, in dem du sie empfindest, oft dazu bringen, die Leere, den Zweifel, die Angst zu füllen, zu beenden. Manchmal versuchen wir dafür andere zu beeinflussen, zu manipulieren. Oder wir manipulieren oder verbiegen uns selbst.
Eifersucht ist körperlich spürbar, sie befindet sich oft im Bauch, etwas nagt in den Eingeweiden, so das Sprichwort. Manchmal liegt sie auf der Brust. Sie drängt dich dazu aktiv zu werden, irgendetwas zu tun, Kontrolle zu finden. Eifersucht will dich glauben machen, dass du etwas “AUCH” brauchst. Um wirklich glücklich zu sein brauchst du AUCH genau das, was eine andere Person hat.
Doch hat die andere Person das wirklich? Hat sie die Aufmerksamkeit der von dir geliebten Person (statt du selbst - der sie selbstverständlich eher zusteht ,-)), hat sie die Anerkennung von anderen wirklich?
Ich möchte diesen Gedanken prüfen und lade dich ein, mich zu begleiten. Stell dir eine Situation rund um eine Freundschaft vor, in der eine Freundin, plötzlich eine neue enge Vertraute hat. Sie wendet sich dieser neuen Freundin zu. Ich bekomme mit, wie sie sich mit der anderen trifft und die beiden (ohne mich) sehr viel Spaß haben. Ich bin eifersüchtig auf die neue Freundin.
Was hat sie, was ich auch möchte? Sie hat die Aufmerksamkeit meiner Freundin.
Sie hat die Aufmerksamkeit meiner Freundin.
Ist das wahr? In Gedanken sehe ich die beiden zusammensitzen, einen Wein trinken, lachen. Deshalb ist meine Antwort Ja.
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? Hier taucht der Gedanke auf, dass ich nicht sicher wissen kann, auf was die Aufmerksamkeit meiner Freundin in diesem Moment wirklich liegt. Ich bin ja nicht da. Deshalb ist meine Antwort Nein.
Wie reagierst du, was passiert, wenn du den Gedanken glaubst? Ich fühle mich abgelehnt, abgelegt wie einen alten Mantel, unwichtig, wertlos. Ich bin getrennt von dem was gerade in diesem Moment um mich herum passiert. Ich bin wie in einem Kino und schaue einen Film über eine Freundschaft. Ich bin neidisch, voller Selbstmitleid und auch wütend, weil ich nicht dabei bin.
Wer bist du ohne den Gedanken? Ich nehme Kontakt auf mit dem gegenwärtigen Moment, bemerke wo ich bin, wo ich sitze, dass es mir gut geht. Dass ich gerade gar keine Lust auf Gesellschaft habe und auch nicht auf Wein. Ich habe plötzlich meine eigene Aufmerksamkeit. Für das was in mir und um mich herum vorgeht. Mir ist es irgendwie egal, was die beiden machen ohne mich. Es ist nicht meine Angelegenheit. Es taucht die Möglichkeit auf sie zu fragen, ob ich beim nächsten Treffen dabei sein kann. Dann wird mir klar, dass ich das gar nicht möchte. Aber es wäre eine Möglichkeit, ich könnte ja fragen.
Umkehrungen:
Ich habe meine Aufmerksamkeit. Ja in dem Moment, in dem ich ohne den Gedanken bin, verbinde ich mich mit mir selbst. Dann bemerke ich was in mir und um mich herum vor sich geht. Was ich möchte oder auch was ich glaube zu möchten.
Sie hat meine Aufmerksamkeit. Ja das ist auch wahr. Das stimmt sowohl für die eine als auch für die andere. Meine Freundin hat meine Aufmerksamkeit, weil ich um die ihre buhle. Sie hat meine Aufmerksamkeit, weil ich aufpasse/ kontrolliere, mit wem sie sich trifft. Die andere hat meine Aufmerksamkeit, indem ich versuche zu verstehen was sie hat, was ich nicht habe. Indem ich versuche so zu sein oder zu werden wie sie.
Sie hat ihre Aufmerksamkeit nicht. Ich weiß es nicht wirklich. Ob sie ihre Aufmerksamkeit auf diese exklusive und mich ausschließende Art hat, die ich befürchte. Ob sie die andere wirklich “mehr” mag als mich. Sie hat die Aufmerksamkeit nicht, weil es gar nicht möglich ist, die Aufmerksamkeit von jemand anderem zu “haben”. Festzuhalten, zu besitzen. Die Aufmerksamkeit sucht sich ihren eigenen Weg. Mal ist sie hier, mal da. Das ist mit meiner eigenen Aufmerksamkeit jedenfalls so.
Interessant.
Was bedeutet Eifersucht für dich? Gibt es einen schmerzvollen Gedanken rund um Eifersucht, den du überprüfen möchtest? Lad dir dafür auf der Seite Downloads die entsprechenden Arbeitsblätter herunter. Wenn du alleine nicht weiterkommst, melde dich gerne bei mir.