Toxische Beziehungen

Der Begriff “toxische Beziehungen” begleitet seit uns seit einiger Zeit durch Blogbeiträge, Coachingangebote, Psychologische Beratungen etc.

“In toxischen Beziehungen stehen die Bedürfnisse des einen dominant im Vordergrund und die Aufgabe des anderen ist es, sie zu erfüllen. "Narzisstische Menschen haben kein »Wir-Gefühl, kein »Wir zwei miteinander, wir machen das. Wir leben das. Wir machen uns das Leben gut miteinander.« Sie haben nur: »Ich brauche dich, damit es mir gut geht. Und deshalb muss du so sein, wie ich dich haben will« ,sagt die Münchner Psychotherapeutin und Narzissmus-Expertin Bärbel Wardetzki. "Menschen in narzisstischen Beziehungen sind so stark mit der Aufrechterhaltung ihres Selbstwertgefühls beschäftigt, dass ihnen die gefühlvolle Zuwendung zum anderen fehlt". (https://www.emotion.de/psychologie-partnerschaft/partnerschaft/toxische-beziehung)

Was tun, wenn ich mich in einer solchen Beziehung finde? Wenn ich mich selbst verloren habe in Abhängigkeiten, in faulen Kompromissen kombiniert mit der manchmal übermächtigen Angst, die Beziehung zu verlieren? Auch hier kann ich meine Gedanken mit The Work prüfen. WICHTIG! Es geht dabei in keiner Weise darum, ein Verhalten zu relativieren, einen Zustand wegzumachen oder gut zu heißen. Die Situation ist im Moment der Überprüfung die, die sie ist. The Work kann mir helfen, meine Gedanken zu klären und wieder zu mir selbst zu finden. Ich finde und prüfe meine Urteile und Gedanken über meine/n Partner/in. Ich erforsche, was der Glaube an diese Urteile aus meinem Leben macht, was passiert und wie ich reagiere, wenn ich diese Gedanken glaube. Dadurch begegne ich mir und meinen Gedanken mit Verständnis.

Ein Beispiel aus einer vorgestellten Beziehung, die die oben genannten Merkmale einer toxischen Beziehung enthält zeigt, wie eine solche Überprüfung funktioniert. Es handelt sich hier nur um ein verallgemeinertes Beispiel, das Gedanken enthält, die so auftreten können (nicht müssen). Möglicherweise hilft es dir trotzdem, wenn du betroffen bist. Vergiss nicht: The Work ist ein meditativer Prozess. Es geht nicht um die intellektuelle oder analytische Überprüfung oder Abwägung von Vor- und Nachteilen.

Er behandelt mich schlecht.

  1. Ist das wahr? Ja.

  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? Auch hier ist die Antwort einsilbig. Warte darauf was in dir auftaucht. Ein Ja oder ein Nein, beides ist ok.

  3. Was passiert und wie reagierst du, wenn du den Gedanken glaubst? Du fühlst dich möglicherweise ausgeliefert, gefangen, hast Angst, erinnerst dich an Situationen, die den Gedanken beweisen, du befürchtest vielleicht künftige Ereignisse, bereitest dich jetzt schon darauf vor, planst strategisch voraus um Konfrontationen zu vermeiden. Du sehnst dich nach seiner Anerkennung, findest vielleicht Gründe und Entschuldigungen für sein Verhalten, relativierst seine “Ausrutscher”, du nimmst ihn vielleicht in Schutz vor anderen, die ihn kritisieren. Du verurteilst dich vielleicht selbst dafür, dass du es nicht schaffst ihn zu verlassen, obwohl er dich schlecht behandelt. Du suchst möglicherweise die Gründe für sein Verhalten bei dir selbst. Du fühlst dich im Recht mit deinem Urteil über ihn. Du bemerkst möglicherweise auch, dass dir der Gedanke einen gewissen, versteckten Nutzen bringt. Du bist in der Beziehung die “Gute”, er der Böse. Zwar zu einem hohen Preis aber ein kleiner Nutzen ist vielleicht dabei.

  4. Wer bist du ohne den Gedanken? Ohne den Gedanken bemerkst du vielleicht, dass du dir viel gefallen lässt, weil du auf so etwas wie eine Bezahlung für deine Duldung hoffe. Einen Moment der Anerkennung, des Lobs, der Zuneigung. Ohne den Gedanken nimmst du ihn vielleicht nüchterner und neutraler wahr. Siehst du was er macht und was auch nicht. Du fühlst dich möglicherweise etwas freier und mehr in Verbindung mit dir selbst. Ich erlebe in der Antwort auf die 4. Frage oft eine körperlich spürbare Reaktion. Ein tieferes Atmen, einen Moment des Ankommens im Hier und Jetzt. In meinem Körper.

Kehre den Gedanken um.

  1. Ich behandle mich schlecht (in dieser Beziehung).

Finde Beispiele dafür, dass die Umkehrung genauso wahr ist, wie der Ursprungsgedanke, oder vielleicht sogar wahrer.

Ich behandle mich schlecht, weil ich meine Bedürfnisse als weniger wert bewerte als seine. Ich behandle mich schlecht weil ich den Kontakt zu mir verliere und mich nicht um mich kümmere, wenn ich mich brauche. Ich behandle mich schlecht, wenn ich mir vorstelle, dass meine Zukunft, die ich ja noch gar nicht kenne, auf jeden Fall eine düstere sein wird. Ich weiß es doch gar nicht. Ich behandle mich schlecht, weil ich mir in meinen Gedanken schon die Möglichkeit nehme, ein glückliches und friedliches Leben zu haben.

2. Ich behandle ihn schlecht.

Ich behandle ihn schlecht, weil ich es ihm auf eine Art und Weise gestatte, sich schlecht zu benehmen. Es ist nicht freundlich das zu tun.

Ich behandle ihn schlecht, weil ich ihn nicht ernst nehme. Ich erzähle mir möglicherweise die Geschichte über seine Veränderung wenn ich das oder das tue, schaffe oder hinbekomme. Oder wenn er dies oder jenes macht. In dem Moment, in dem er mich schlecht behandelt, nehme ich ihn nicht ernst. Ich erzähle mir die Geschichte von Hoffnung und Veränderung, sehe ihn nicht so, wie er ist. Verwirrt, ohne die Möglichkeit, sich zu verändern.

3. Er behandelt mich gut.

Er zeigt mir klar und deutlich wie er ist. Das ist ehrlich und offen. Auf eine Art und Weise kann man da auch von “gut” sprechen. Sein Verhalten gibt mir eine klare Richtung. Er behandelt mich gut, weil er mir deutlich zeigt, wo ich nicht hingehöre.

Er behandelt mich gut, weil er mir deutlich zeigt, dass er sich nicht um mich kümmert. Dass das niemand tun kann außer mir selbst. Das hilft mir, zu mir selbst zu finden, für mich selbst einzutreten, bringt mich in meine eigene Kraft hinein, statt darauf zu hoffen, dass etwas von außen kommt und das für mich erledigt. Diesen Kontakt zu mir selbst zu finden fühlt sich gut an.

Zurück
Zurück

Die Kinder und Corona

Weiter
Weiter

Prokrastination